Die Komplikation der ersten Stunden
Von allen Komplikationen einer Brustoperation ist die Nachblutung diejenige, die am frühesten auftritt und am schnellsten gehandelt werden muss. Sie zeigt sich meist innerhalb der ersten Stunden bis Tage, also genau in dem Zeitraum, in dem viele Patientinnen bereits wieder zu Hause sind.
Ein Hämatom ist eine Ansammlung von Blut im Operationsgebiet. Kleine Blutergüsse gehören zu praktisch jedem Eingriff und sind harmlos: Sie verfärben die Haut, werden über Wochen abgebaut und verschwinden. Von einer relevanten Nachblutung spricht man, wenn sich eine größere Menge Blut sammelt, Druck aufbaut und die Heilung gefährdet.
Die Unterscheidung zwischen beidem ist für Sie zu Hause nicht immer eindeutig, weshalb es sich lohnt, die Zeichen zu kennen, statt abzuwarten.
Woran Sie eine relevante Nachblutung erkennen
- Eine deutliche, rasch zunehmende Schwellung, fast immer nur auf einer Seite
- Ein spürbarer Größenunterschied, der sich innerhalb von Stunden entwickelt
- Zunehmende Spannung und ein Gefühl von Druck, das stärker wird statt schwächer
- Schmerzen, die trotz der verordneten Medikamente zunehmen
- Eine prall gespannte, glänzende oder livide verfärbte Haut
- Eine plötzliche stärkere Durchfeuchtung des Verbandes
- Kreislaufzeichen wie Schwindel, Blässe, kalter Schweiß oder Herzrasen
Das entscheidende Merkmal ist die Dynamik. Eine Schwellung, die von Stunde zu Stunde deutlich zunimmt und einseitig ist, gehört umgehend ärztlich beurteilt. Ein Bluterguss, der sich über Tage langsam gelblich verfärbt und dessen Schwellung abnimmt, ist der normale Verlauf.
Bei Kreislaufzeichen ist Zögern unangebracht. Diese Kombination gehört in die nächste Notaufnahme und nicht in eine Nachricht an die Praxis, die erst am nächsten Morgen gelesen wird.
Wie behandelt wird
Eine relevante Nachblutung wird in aller Regel operativ versorgt. Das klingt dramatischer, als es im Verlauf meist ist: Das Operationsgebiet wird noch einmal eröffnet, das angesammelte Blut entfernt, die Blutungsquelle gesucht und versorgt, gespült und häufig eine Drainage eingelegt.
Der Eingriff ist kürzer als die ursprüngliche Operation. Für das kosmetische Endergebnis ist die rasche Versorgung günstiger als das Abwarten, weil ein größeres Hämatom Druck auf das Gewebe ausübt, die Wundheilung stört und das Risiko einer Infektion erhöht. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass ein Hämatom das Risiko einer späteren Kapselfibrose begünstigt, was ein weiteres Argument gegen das Zuwarten ist.
Kleinere Blutansammlungen ohne Spannung werden dagegen häufig beobachtet und nicht operiert. Diese Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin anhand des Befundes, nicht anhand einer festen Größenangabe.
Was das Risiko beeinflusst
Einige Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Nachblutung, und ein Teil davon liegt in Ihrer Hand.
Gerinnungshemmende Medikamente. Dazu gehören nicht nur verschreibungspflichtige Blutverdünner, sondern auch frei verkäufliche Schmerzmittel mit gerinnungshemmender Wirkung. Welche Präparate wann pausiert werden, legt ausschließlich die behandelnde Ärztin fest. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab und verschweigen Sie nichts.
Nahrungsergänzungs- und pflanzliche Mittel. Einige Präparate können die Gerinnung beeinflussen. Sie gehören auf die Medikamentenliste, auch wenn sie rezeptfrei sind.
Bluthochdruck. Ein schlecht eingestellter Blutdruck erhöht das Risiko, ebenso ein starker Blutdruckanstieg nach dem Eingriff, etwa durch Schmerzen oder Aufregung.
Körperliche Belastung zu früh. Heben, Pressen, ruckartige Bewegungen der Arme und Sport in den ersten Tagen erhöhen den Druck im Operationsgebiet.
Erbrechen und Husten. Beides steigert den Druck erheblich. Wenn Ihnen nach der Narkose übel ist oder Sie stark husten, melden Sie das, statt es auszuhalten.
Gerinnungsstörungen in der Vorgeschichte. Auch familiäre Auffälligkeiten gehören ins Vorgespräch.
Was Sie in den ersten Tagen beachten sollten
Die Empfehlungen sind unspektakulär und wirksam. Halten Sie die Schonzeit ein, auch wenn Sie sich gut fühlen, denn das subjektive Wohlbefinden sagt nichts über die Stabilität der Gefäßversorgung im Operationsgebiet aus.
Nehmen Sie die Schmerzmedikation nach Anweisung, weil unbehandelte Schmerzen den Blutdruck steigen lassen. Verzichten Sie auf Alkohol, Sauna, heiße Bäder und ausgiebige Wärme, da diese die Durchblutung steigern. Tragen Sie den verordneten Kompressions-BH so, wie er verordnet wurde, denn der gleichmäßige Druck ist Teil der Behandlung und nicht nur ein Halt.
Und organisieren Sie die erste Nacht so, dass jemand erreichbar ist. Eine Nachblutung entwickelt sich schnell, und die Fähigkeit, in dieser Situation selbst eine Ambulanz aufzusuchen, ist eingeschränkt.
Die ersten Stunden nach dem Eingriff
Im Aufwachraum und auf der Station wird genau aus diesem Grund kontrolliert. Beobachtet werden Kreislaufwerte, das Aussehen des Operationsgebiets, die Spannung der Haut, die Fördermenge einer eventuellen Drainage und Ihre Schmerzangaben.
Diese Kontrollen sind der Grund, warum eine Übernachtung bei bestimmten Eingriffen empfohlen wird. Es geht nicht um Komfort, sondern darum, dass eine beginnende Nachblutung in dieser Phase am ehesten auffällt und dann sofort versorgt werden kann.
Wenn der Eingriff ambulant erfolgt, verlagert sich diese Beobachtung zu Ihnen nach Hause. Sie sollten deshalb wissen, worauf zu achten ist, eine Telefonnummer für den Notfall griffbereit haben und nicht allein sein. Melden Sie Veränderungen aktiv, statt bis zum nächsten Morgen abzuwarten. Niemand wird verärgert sein, wenn sich der Anruf im Nachhinein als unnötig herausstellt.
Vermeiden Sie in dieser Phase alles, was den Druck steigert: schweres Heben, Bücken mit anschließendem Aufrichten, kräftiges Niesen ohne Gegenhalt. Wenn Übelkeit auftritt, sagen Sie es früh, weil sie gut behandelbar ist und Erbrechen den Druck deutlich erhöht.
Späte Blutansammlungen
Selten tritt ein Hämatom nicht in den ersten Tagen auf, sondern Wochen oder Monate nach dem Eingriff. Auslöser können ein Sturz, ein Stoß oder eine ungewohnte Belastung sein, manchmal findet sich kein Anlass.
Diese späten Formen äußern sich meist als neu aufgetretene, einseitige Schwellung, teils mit Schmerzen, teils ohne. Sie gehören ebenso abgeklärt wie eine frühe Nachblutung, auch weil die Abgrenzung zu anderen Ursachen einer späten Schwellung nur mit Untersuchung und Bildgebung möglich ist.
Die Regel bleibt einfach und gilt in jeder Phase: Eine Brust, die sich innerhalb kurzer Zeit einseitig verändert, wird angeschaut. Ein langsam abklingender Bluterguss in den ersten Wochen ist erwartbar und braucht keine besondere Maßnahme.
Abgrenzung zu anderen Flüssigkeitsansammlungen
Nicht jede Schwellung nach einer Brustoperation ist Blut. Häufiger als eine späte Nachblutung ist ein Serom, also eine Ansammlung klarer Wundflüssigkeit. Ein Serom entwickelt sich meist langsamer, verursacht seltener starke Schmerzen und wird anders behandelt, häufig durch Punktion.
Die Unterscheidung erfolgt klinisch und mit Ultraschall, nicht durch Tasten. Für Sie ist die praktische Regel dieselbe: Eine neue, zunehmende Schwellung gehört beurteilt, unabhängig davon, welche Flüssigkeit dahintersteckt. Ausführlicher haben wir das in Serom und Spätserom bei Brustimplantaten beschrieben.
Nach überstandener Nachblutung
Eine versorgte Nachblutung bedeutet nicht, dass das Endergebnis beeinträchtigt bleibt. In vielen Fällen heilt der Verlauf nach der Revision unauffällig ab, wenn auch mit einer verlängerten Erholungsphase und meist stärkeren Blutergüssen in den Folgewochen.
Sinnvoll ist, den Vorfall zu dokumentieren: Wann trat er auf, wie wurde er versorgt, wurde eine Ursache gefunden. Diese Information ist bei einem späteren Eingriff relevant. Fordern Sie den Bericht der Revision an und legen Sie ihn zu Ihren Unterlagen.
Weitere Beiträge zu Heilung und Komplikationen finden Sie in der Rubrik Nachsorge und Heilung. Bei Unsicherheit über Ihren Verlauf erreichen Sie uns über unser Kontaktformular. Bei akuten Beschwerden warten Sie nicht auf eine Antwort, sondern suchen Sie ärztliche Hilfe auf.