Animation Deformity: wenn sich das Implantat beim Anspannen des Brustmuskels verformt
Bei einem Teil der Frauen, deren Implantat ganz oder teilweise unter dem großen Brustmuskel liegt, verändert sich die Brust sichtbar, sobald der Muskel angespannt wird: Das Implantat wird nach oben und außen gezogen, die Brust flacht ab oder zeigt eine Delle, die Brustwarze wandert. In der Fachliteratur heißt das Animation Deformity, seltener auch Breast Animation oder dynamische Deformität. Für viele Betroffene ist es eine Kleinigkeit, die nur im Fitnessstudio auffällt; für andere, besonders für sportlich aktive Frauen und nach einer Rekonstruktion, ist es eine tägliche Belastung. Dieser Beitrag erklärt den Mechanismus, ordnet die Häufigkeit anhand der Studienlage ein, beschreibt die Abklärung und die Korrekturmöglichkeiten, und sagt, was vor einer Operation dazu besprochen werden sollte.
Der Mechanismus
Der große Brustmuskel (Musculus pectoralis major) entspringt am Brustbein, den Rippen und dem Schlüsselbein und zieht zum Oberarm. Wird das Implantat unter ihn gelegt, muss der Muskel an seinem unteren und inneren Ansatz teilweise abgelöst werden, damit das Implantat Platz findet. Der Muskel liegt danach wie ein Vorhang über dem oberen Teil des Implantats. Bei jeder Anspannung, etwa beim Drücken der Hände gegeneinander, beim Liegestütz oder beim Tragen einer Tasche, zieht er sich zum Oberarm hin zusammen und nimmt das Implantat ein Stück mit. Zusätzlich kann der abgelöste Muskelrand mit der Haut verwachsen, wodurch beim Anspannen eine Einziehung entsteht.
Bei vollständig subglandulärer Lage (über dem Muskel) tritt das Phänomen nicht auf, weil der Muskel unter dem Implantat unbeteiligt bleibt. Bei der Dual-Plane-Technik, bei der nur der obere Teil des Implantats vom Muskel bedeckt ist, ist es möglich, aber in der Regel schwächer ausgeprägt als bei vollständiger submuskulärer Deckung.
Wie häufig ist es?
Die Zahlen in Studien schwanken stark, weil die Definition uneinheitlich ist: Wird jede sichtbare Bewegung gezählt oder nur eine, die die Patientin stört? Untersuchungen an ästhetischen Brustvergrößerungen mit submuskulärer Lage berichten, dass bei der Mehrheit der Patientinnen bei gezielter Anspannung irgendeine Bewegung des Implantats sichtbar ist, dass aber nur ein deutlich kleinerer Anteil dies im Alltag als störend wahrnimmt. Nach Brustrekonstruktion mit submuskulären Implantaten liegen die berichteten Raten störender Deformitäten höher, weil das deckende Drüsengewebe fehlt und der Muskel direkt unter der Haut arbeitet. Diese Beobachtung hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass in der Rekonstruktion vermehrt präpektorale Techniken (Implantat vor dem Muskel, oft mit Netz- oder Matrixdeckung) eingesetzt werden.
Einheitlich ist in der Literatur der Befund, dass die Ausprägung von der Technik der Muskelablösung, vom Ausmaß der Vernarbung und von der Muskelmasse der Patientin abhängt. Sehr sportliche Frauen mit kräftigem Brustmuskel sind häufiger und stärker betroffen. Weitere Ergebnisse zu Komplikationen und Reoperationen fasst unser Beitrag zu Komplikationsraten und Reoperationen in Studien zusammen.
Abklärung: was Sie und Ihre Ärztin prüfen
- Provokation: Hände vor der Brust gegeneinander drücken, dabei die Brust im Spiegel beobachten. Bewegung, Delle, Wandern der Brustwarze, Seitenunterschied notieren. Ein kurzes Video hilft bei der Besprechung.
- Abgrenzung: Nicht jede Verformung ist eine Animation Deformity. Eine Kapselfibrose verhärtet die Brust auch in Ruhe; eine Rotation eines anatomischen Implantats bleibt bestehen, wenn der Muskel entspannt ist. Der Beitrag zu Kapselfibrose erkennen beschreibt die Unterscheidung.
- Bildgebung: Ein Ultraschall in Ruhe und unter Anspannung kann zeigen, wie weit der Muskel das Implantat verschiebt und ob Verwachsungen zwischen Muskel und Haut bestehen.
- Belastung im Alltag: Die entscheidende Frage ist, ob und wie sehr es Sie stört. Eine sichtbare Bewegung bei maximaler Anspannung ohne Leidensdruck ist kein Behandlungsgrund.
Was Sie selbst beeinflussen können
Nach einer submuskulären Operation lässt sich der Effekt in den ersten Monaten etwas beeinflussen. Intensives Brustmuskeltraining (Bankdrücken, Liegestütze, Butterfly) in den ersten sechs bis acht Wochen belastet den frisch abgelösten Muskel und kann Vernarbungen zwischen Muskel und Haut fördern; die Freigabe des Trainings sollte vom Operateur kommen. Ein deutlicher Aufbau des Brustmuskels in den Jahren danach verstärkt die Bewegung, weil ein kräftigerer Muskel das Implantat weiter verschiebt. Wer aus sportlichen Gründen viel Brustmuskulatur aufbaut, sollte das bei der Lagewahl von Anfang an einbringen, statt später korrigieren zu müssen.
Korrekturmöglichkeiten
| Maßnahme | Prinzip | Anmerkung |
|---|---|---|
| Abwarten und Beobachten | In den ersten Monaten nach der OP kann sich die Ausprägung noch ändern, wenn Schwellung und Muskelspannung nachlassen | Vor einer Korrektur sollte das Ergebnis stabil sein, meist nach 6 bis 12 Monaten |
| Lagewechsel nach präpektoral | Implantat wird aus der submuskulären in eine Lage vor den Muskel verlegt, der Muskel wird wieder an seinem Ursprung fixiert | Wirksamste Maßnahme; setzt ausreichend deckendes Gewebe voraus, sonst steigt das Risiko für sichtbare Ränder und Rippling |
| Lagewechsel mit Netz oder azellulärer Matrix | Präpektorale Lage, das Implantat wird zusätzlich von einer Matrix bedeckt | Vor allem in der Rekonstruktion verbreitet; Kosten und Materialrisiken sind zu besprechen |
| Lösung von Verwachsungen | Verbindung zwischen Muskelrand und Haut wird gelöst, oft mit Fettgewebe unterfüttert | Hilft bei Dellenbildung, ändert die Grundbewegung des Muskels nicht |
| Botulinumtoxin in den Muskel | Vorübergehende Schwächung des Muskels | Nur in Einzelfällen und Studien beschrieben; keine Standardbehandlung, Wirkung zeitlich begrenzt |
Jede Korrektur ist eine erneute Operation mit eigenen Risiken, und der Wechsel nach präpektoral tauscht ein Problem gegen die Nachteile der Lage über dem Muskel. Ob das für Sie ein guter Tausch ist, hängt von Gewebedicke, Implantatgröße und Ihren Prioritäten ab und sollte mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Plastische Chirurgie besprochen werden. Eine Zweitmeinung ist bei einer Korrekturoperation angemessen.
Vor der Erstoperation: was zu besprechen ist
Animation Deformity ist ein Argument in der Entscheidung über die Implantatlage, aber nur eines von mehreren. Die submuskuläre oder Dual-Plane-Lage bietet bei dünnem Gewebe eine bessere Deckung des Implantats, wird mit niedrigeren Kapselfibroseraten in Verbindung gebracht und erleichtert die Mammographie. Die Lage über dem Muskel vermeidet die Bewegung, verlangt aber ausreichend eigenes Gewebe. Wer intensiv Kraftsport treibt, beruflich den Oberkörper stark einsetzt oder bereits weiß, dass sichtbare Bewegung sie stören würde, sollte das vor der Operation ansprechen, damit die Lage entsprechend gewählt oder die Muskelablösung so gestaltet wird, dass die Bewegung möglichst gering ausfällt. Die Grundlagen der Abwägung fasst der Beitrag zur Nutzen-Risiko-Abwägung zusammen.
Beratung bei sichtbarer Implantatbewegung
Wenn Sie eine Bewegung oder Verformung Ihrer Brust beim Anspannen bemerken und sie Sie stört, klären wir in einer Untersuchung mit Provokationstest und Ultraschall, ob eine Animation Deformity vorliegt, wie ausgeprägt sie ist und ob Verwachsungen beteiligt sind. Wir besprechen mit Ihnen offen, was Abwarten, eine Lösung von Verwachsungen oder ein Lagewechsel in Ihrem Fall erreichen würden und welche neuen Nachteile jede Option mit sich bringt; wir raten auch dann zu keiner Operation, wenn der Befund Sie im Alltag nicht beeinträchtigt. Weitere Beiträge zu Implantatlage und Formfragen finden Sie in der Rubrik Brustformkorrektur; einen Termin vereinbaren Sie über die Kontaktseite.