Doppelkapsel bei Brustimplantaten: was über das seltene Phänomen bei texturierten Oberflächen bekannt ist

Nachsorge & Heilung

Was mit Doppelkapsel gemeint ist

Um jedes Brustimplantat bildet der Körper eine Hülle aus Bindegewebe, die Kapsel. Sie ist eine normale Reaktion auf einen Fremdkörper und bleibt bei den meisten Frauen dünn und unauffällig. In seltenen Fällen finden Chirurginnen und Chirurgen bei einer Wechseloperation aber nicht eine, sondern zwei Kapselschichten: eine innere, die fest mit der Implantatoberfläche verbunden ist, und eine äußere, die am umgebenden Gewebe haftet. Zwischen beiden liegt ein Spalt, der leer sein oder Flüssigkeit enthalten kann. Dieses Phänomen wird als Doppelkapsel bezeichnet. Der Beitrag fasst zusammen, was darüber bekannt ist, welche Beschwerden damit verbunden sein können und warum eine Abklärung wichtig ist.

Wie eine Doppelkapsel entsteht

Die genaue Ursache ist bis heute nicht geklärt. In der Fachliteratur werden mehrere Erklärungsansätze diskutiert, die sich nicht gegenseitig ausschließen:

  • Mechanische Scherkräfte: Texturierte Oberflächen verzahnen sich mit dem Gewebe. Wirken über längere Zeit Bewegungs- und Scherkräfte auf die Brust, kann sich die Kapsel aufspalten, sodass eine Schicht am Implantat bleibt und die andere am Gewebe.
  • Flüssigkeitsansammlung: Ein Serom, also eine Ansammlung von Gewebeflüssigkeit, kann die Schichten voneinander trennen. Ob die Flüssigkeit Ursache oder Folge der Aufspaltung ist, lässt sich im Einzelfall oft nicht sagen.
  • Blutung: Auch eine kleine Nachblutung in den Raum um das Implantat wird als möglicher Auslöser genannt.

Auffällig ist der Zusammenhang mit der Implantatoberfläche. Doppelkapseln werden überwiegend bei texturierten, insbesondere stark texturierten Implantaten beschrieben. Bei glatten Implantaten sind sie sehr selten. Warum texturierte Implantate in den letzten Jahren insgesamt zurückhaltender eingesetzt werden, hängt allerdings vor allem mit anderen Befunden zusammen, die weiter unten beschrieben sind.

Schematische Darstellung einer doppelten Bindegewebskapsel um ein Brustimplantat

Welche Beschwerden auftreten können

Eine Doppelkapsel verursacht nicht immer Symptome. Manchmal wird sie nur zufällig bei einer Operation oder in der Bildgebung entdeckt. Wenn Beschwerden auftreten, sind es meist diese:

  • eine späte, oft einseitige Schwellung der Brust, Monate oder Jahre nach der Operation,
  • eine sichtbare Veränderung von Form oder Position des Implantats,
  • bei anatomischen Implantaten eine Rotation, weil sich das Implantat samt innerer Kapsel in der äußeren Kapsel drehen kann,
  • ein Spannungs- oder Druckgefühl.

Keines dieser Zeichen ist spezifisch. Eine einseitige Schwellung kann auch andere Ursachen haben, etwa eine Kapselfibrose, eine Infektion oder ein Serom ohne Doppelkapsel. Wie sich eine Kapselfibrose unterscheidet, lesen Sie im Beitrag Kapselfibrose: Ursachen, Baker-Grade und Vorbeugung.

Warum ein Spätserom immer abgeklärt werden sollte

Der wichtigste Grund, eine späte Schwellung nicht abzuwarten, ist das brustimplantat-assoziierte anaplastische großzellige Lymphom (BIA-ALCL). Diese seltene Erkrankung des Immunsystems tritt ebenfalls vor allem bei texturierten Implantaten auf und zeigt sich häufig als Flüssigkeitsansammlung um das Implantat, die Jahre nach der Operation entsteht. Eine Doppelkapsel und ein BIA-ALCL sind unterschiedliche Befunde. Weil beide sich ähnlich bemerkbar machen können, empfehlen Fachgesellschaften bei einem späten Serom eine gezielte Abklärung.

Dazu gehört in der Regel:

  • eine Ultraschalluntersuchung, bei unklarem Befund ergänzt durch eine MRT,
  • eine Punktion der Flüssigkeit unter Ultraschallkontrolle,
  • die Untersuchung der Flüssigkeit im Labor, unter anderem auf bestimmte Oberflächenmerkmale von Zellen (CD30), die bei BIA-ALCL typisch sind.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in den Beiträgen zu Serom und Spätserom und BIA-ALCL. Wichtig ist: Die allermeisten Spätserome sind gutartig. Die Abklärung dient dazu, die seltenen anderen Fälle nicht zu übersehen.

Was die Bildgebung zeigen kann

Im Ultraschall lässt sich eine Doppelkapsel manchmal als geschichtete Struktur mit Flüssigkeitssaum erkennen. In der MRT sind die einzelnen Schichten und eine Flüssigkeitsansammlung oft besser abgrenzbar. Sicher bestätigt wird der Befund aber häufig erst bei der Operation. Die Beurteilung sollte in einer radiologischen Einrichtung mit Erfahrung in Implantatbildgebung erfolgen.

Ultraschalluntersuchung der Brust bei liegendem Implantat

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Doppelkapsel ohne Beschwerden und ohne auffälligen Flüssigkeitsbefund muss nicht in jedem Fall operiert werden. Die Entscheidung hängt vom Einzelbefund ab und sollte mit einer erfahrenen Fachärztin besprochen werden. Wenn Beschwerden bestehen oder das Implantat verrutscht ist, wird meist eine Operation erwogen. Typische Schritte sind:

  • Entfernung des Implantats zusammen mit der inneren Kapsel,
  • je nach Befund teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren Kapsel,
  • feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes,
  • Einsetzen eines neuen Implantats, häufig mit glatter Oberfläche, oder Verzicht auf ein neues Implantat.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Gewebe, vom Wunsch der Patientin und von den Befunden der Abklärung ab.

Kann man einer Doppelkapsel vorbeugen?

Eine sichere Vorbeugung ist nicht bekannt. Da das Phänomen vor allem bei texturierten Oberflächen beobachtet wird, spielt die Implantatwahl eine Rolle. Diese Entscheidung sollte aber nicht nur mit Blick auf die Doppelkapsel getroffen werden, denn Oberflächen unterscheiden sich auch in anderen Eigenschaften wie der Lagestabilität. Lassen Sie sich die Vor- und Nachteile der infrage kommenden Implantate erklären.

Fragen für Ihr Gespräch mit der Ärztin

  • Welche Oberfläche hat mein Implantat, und steht das im Implantatpass?
  • Spricht der Ultraschallbefund für eine Flüssigkeitsansammlung, und wie viel ist es?
  • Ist eine Punktion mit Laboruntersuchung der Flüssigkeit sinnvoll, und wer wertet sie aus?
  • Brauche ich zusätzlich eine MRT?
  • Wenn operiert wird: Was geschieht mit der inneren und der äußeren Kapsel, und wird das Gewebe untersucht?
  • Welche Implantatoberfläche käme bei einem Wechsel infrage, und warum?

Schreiben Sie sich die Antworten auf und heben Sie alle Befunde gemeinsam mit Ihrem Implantatpass auf. Bei späteren Kontrollen hilft es sehr, wenn frühere Bilder und Laborwerte zum Vergleich vorliegen.

Abklärung und Beratung bei unklarer Schwellung

Wenn sich Ihre Brust Jahre nach einer Implantatoperation verändert, ist eine zeitnahe Untersuchung sinnvoll, auch ohne Schmerzen. Bringen Sie Ihren Implantatpass mit, damit Oberfläche und Modell bekannt sind. In unserer Beratung besprechen wir Ihre Befunde, veranlassen bei Bedarf die weitere Diagnostik und erklären Ihnen, welche Möglichkeiten es gibt, falls ein Wechsel ansteht. Bei einer geplanten Brustvergrößerung gehen wir mit Ihnen die Wahl der Implantatoberfläche ausführlich durch. Weitere Beiträge finden Sie in der Rubrik Nachsorge und Heilung, einen Termin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite.

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