Milchfluss nach einer Brustvergrößerung: Galaktorrhoe, Prolaktin und wann eine Abklärung nötig ist

Nachsorge & Heilung

Milchige Flüssigkeit aus der Brustwarze nach der Operation

Einige Tage oder Wochen nach einer Brustvergrößerung bemerken manche Frauen, dass sich aus einer oder beiden Brustwarzen milchige Flüssigkeit ausdrücken lässt oder sogar von selbst austritt. Das beunruhigt verständlicherweise, besonders wenn keine Schwangerschaft besteht und die letzte Stillzeit lange zurückliegt. Der medizinische Begriff dafür ist Galaktorrhoe, also Milchfluss außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit. Nach einer Brustvergrößerung ist sie selten, aber als mögliche Folge in der Fachliteratur beschrieben. Dieser Beitrag erklärt, wie es dazu kommen kann, welche Untersuchungen sinnvoll sind und wann Sie sich rasch melden sollten.

Wie eine Operation Milchfluss auslösen kann

Die Milchbildung wird vor allem durch das Hormon Prolaktin gesteuert, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird. Beim Stillen reizt das Saugen des Kindes Nerven an der Brustwarze, und diese Reize führen über das Rückenmark zu einer vermehrten Ausschüttung von Prolaktin. Eine ähnliche Nervenreizung kann auch durch eine Operation an der Brust entstehen. Die Nerven, die Brustwarze und Brustwand versorgen, werden bei der Präparation der Implantattasche gedehnt oder gereizt. Das Gehirn kann diese Signale ähnlich wie beim Stillen deuten und die Prolaktinbildung anregen.

Weitere Faktoren können dazukommen:

  • Medikamente: Einige Wirkstoffe erhöhen den Prolaktinspiegel, darunter bestimmte Mittel gegen Übelkeit, einige Psychopharmaka und manche Magenmittel. Auch hormonelle Verhütung kann eine Rolle spielen.
  • Zeitlicher Abstand zur letzten Stillzeit: Liegt eine Schwangerschaft oder Stillzeit noch nicht lange zurück, ist das Drüsengewebe unter Umständen leichter anzuregen.
  • Vorbestehende hormonelle Störungen: Eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine gutartige Veränderung der Hirnanhangsdrüse kann schon vor der Operation bestanden haben und erst jetzt auffallen.
Schematische Darstellung der Nervenversorgung der Brustwarze und der Milchdrüse

Welche Beobachtungen typisch sind

Der Milchfluss nach einer Brustvergrößerung beginnt meist in den ersten Wochen nach dem Eingriff. Er kann einseitig oder beidseitig auftreten. Häufig ist die Flüssigkeit weißlich oder leicht gelblich. Manche Frauen bemerken zusätzlich ein Spannungsgefühl oder eine Schwellung der Brust. In vielen beschriebenen Fällen klingt die Galaktorrhoe innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten von selbst oder unter Behandlung ab.

Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Befunden, die ebenfalls mit Flüssigkeit oder Schwellung einhergehen:

BeobachtungMögliche BedeutungWas zu tun ist
Milchige Absonderung, Brust weich, kein FieberGalaktorrhoeZeitnah in der operierenden Praxis vorstellen
Zunehmende Schwellung einer SeiteFlüssigkeitsansammlung um das Implantat, etwa Serom oder MilchansammlungUltraschall, gegebenenfalls Punktion
Rötung, Wärme, Fieber, SchmerzenMögliche InfektionSofort ärztlich melden
Blutige oder klare Absonderung aus einer einzelnen ÖffnungUnabhängig von der Operation abklärungsbedürftigGynäkologische Abklärung

Wie häufig kommt Milchfluss nach einer Brustvergrößerung vor?

Verlässliche Zahlen zur Häufigkeit gibt es kaum. Die Literatur besteht überwiegend aus Fallberichten und kleineren Fallserien, und große Studien zur Brustvergrößerung erfassen die Galaktorrhoe meist nicht gesondert. Klar ist nur, dass sie zu den seltenen Folgen gehört. Beschrieben wurde sie bei verschiedenen Zugangswegen, also über die Unterbrustfalte, den Warzenhof und die Achsel, und bei Implantaten über wie unter dem Brustmuskel. Ein bestimmter Zugang lässt sich nach heutigem Wissen nicht als sicher vermeidend empfehlen. Auch nach anderen Eingriffen an der Brustwand, etwa nach Operationen am Brustkorb, ist Milchfluss über denselben Nervenmechanismus beschrieben. Für Sie bedeutet das: Wenn es auftritt, ist es ungewöhnlich, aber bekannt, und die operierende Praxis sollte damit umgehen können.

Warum eine Abklärung wichtig ist

Der Milchfluss selbst ist meist harmlos. Er kann aber zu Folgeproblemen führen. Sammelt sich Milch in der Implantattasche, spricht man von einer Galaktozele. Diese Flüssigkeit ist ein guter Nährboden für Bakterien und kann das Risiko einer Infektion um das Implantat erhöhen. Eine Infektion wiederum kann die Kapselbildung ungünstig beeinflussen. Deshalb sollte eine Galaktorrhoe nach einer Brustvergrößerung nicht einfach ausgesessen werden. Mehr zur Bedeutung von Flüssigkeitsansammlungen lesen Sie im Beitrag Serom und Spätserom bei Brustimplantaten.

Übliche Untersuchungen

  • Untersuchung der Brust und Befragung zu Medikamenten, Verhütung und letzter Schwangerschaft,
  • Bestimmung des Prolaktinspiegels im Blut, oft ergänzt durch Schilddrüsenwerte und einen Schwangerschaftstest,
  • Ultraschall der Brust, um eine Flüssigkeitsansammlung um das Implantat zu erkennen,
  • bei deutlich erhöhtem Prolaktin oder anhaltenden Beschwerden eine endokrinologische Abklärung, gegebenenfalls mit Bildgebung der Hirnanhangsdrüse.

Welche Informationen der Ultraschall bei liegendem Implantat liefert, beschreibt der Beitrag Ultraschall der Brust bei Implantaten.

Ultraschallkontrolle der Brust nach einer Brustvergrößerung

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Ausprägung. Bei leichtem Milchfluss ohne Flüssigkeitsansammlung reicht manchmal Beobachtung. Hilfreich kann es sein, die Brustwarzen möglichst wenig zu reizen und nicht wiederholt zu prüfen, ob sich noch Flüssigkeit ausdrücken lässt, da jede Stimulation die Milchbildung weiter anregen kann. Ein gut sitzender Stütz-BH ohne Reibung an der Brustwarze kann ebenfalls helfen.

Ist der Prolaktinspiegel erhöht oder hält der Milchfluss an, können Ärztinnen Medikamente verordnen, die die Prolaktinausschüttung hemmen. Ob das sinnvoll ist, welches Präparat infrage kommt und wie lange es eingenommen wird, entscheidet die behandelnde Ärztin nach Befund. Hat sich Milch in der Implantattasche angesammelt, kann eine Punktion oder in manchen Fällen eine erneute Operation mit Spülung der Tasche nötig sein. Wird ein Medikament als Auslöser vermutet, sollte ein Wechsel mit der verordnenden Ärztin besprochen und nicht eigenständig vorgenommen werden.

Spätere Stillzeit

Eine Galaktorrhoe nach der Operation sagt nichts darüber aus, ob Sie später stillen können. Die Stillfähigkeit hängt eher von der Schnittführung, der Implantatlage und dem erhaltenen Drüsengewebe ab. Mehr dazu finden Sie im Beitrag Stillen mit Brustimplantaten.

Wann Sie sich sofort melden sollten

  • Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl
  • Rötung und Überwärmung der Brust
  • rasch zunehmende Schwellung oder starke Schmerzen
  • blutige Absonderung aus der Brustwarze

Nachsorge und Beratung

Wenn Sie nach einer Brustvergrößerung Milchfluss bemerken, melden Sie sich bitte in der Praxis, die Sie operiert hat. Nennen Sie dabei alle Medikamente, die Sie einnehmen. In unserer Nachsorge untersuchen wir die Brust, veranlassen bei Bedarf Blutwerte und Ultraschall und stimmen die weitere Behandlung mit Ihnen ab. Vor einer geplanten Brustvergrößerung fragen wir gezielt nach Schwangerschaften, Stillzeiten und Medikamenten, damit solche Zusammenhänge früh bedacht werden. Weitere Beiträge zur Zeit nach der Operation finden Sie in der Rubrik Nachsorge und Heilung, einen Termin vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite.

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