Ein Implantat altert nicht, aber die Brust um es herum
Viele Frauen tragen ihre Brustimplantate zwanzig Jahre und länger. Wer sich mit Ende zwanzig oder Anfang dreißig für eine Brustvergrößerung entschieden hat, erreicht mit denselben oder mit inzwischen gewechselten Implantaten die Wechseljahre. In dieser Phase verändert sich die Brust deutlich, und zwar unabhängig vom Implantat: Drüsengewebe bildet sich zurück, Fettgewebe nimmt zu, die Haut verliert Elastizität, das Bindegewebe wird schwächer. Das Implantat selbst bleibt, was es war. Aber die Umgebung, in der es liegt, ist eine andere.
Dieser Beitrag beschreibt, was in den Wechseljahren mit der Brust geschieht, wie sich das auf Aussehen und Tastbefund einer Brust mit Implantat auswirkt, welche Rolle eine Hormontherapie spielt und was für die Nachsorge folgt. Er ersetzt nicht das Gespräch mit Gynäkologin, Hausärztin oder Chirurgin; gerade in dieser Lebensphase lohnt es sich, alle drei einzubeziehen.
Was sich im Gewebe verändert
Mit dem Absinken der Östrogenspiegel in der Perimenopause und nach der Menopause verändert sich die Zusammensetzung der Brust. Das Drüsengewebe, das auf Hormone reagiert, bildet sich schrittweise zurück (Involution) und wird durch Fettgewebe ersetzt. Die Brust wird dadurch in der Bildgebung weniger dicht, was für die Mammographie ein Vorteil ist, und im Tastbefund weicher. Gleichzeitig nimmt der Kollagengehalt der Haut ab, die Haut wird dünner, und die Bänder, die die Brust am Brustkorb halten, verlieren an Spannkraft.
Bei einer Brust ohne Implantat führt das zum typischen Absinken und zur Volumenabnahme. Bei einer Brust mit Implantat läuft dieselbe Veränderung ab, nur dass ein Teil des Volumens nicht mitmacht. Die Folgen sind vorhersehbar:
- Das Implantat wird stärker tastbar und an den Rändern sichtbarer, weil weniger eigenes Gewebe darüber liegt. Rippling, also Wellenbildung der Hülle, kann neu auftreten oder zunehmen.
- Das eigene Gewebe kann über dem Implantat nach unten gleiten, während das Implantat an seiner Position bleibt. Das ergibt das Bild einer "doppelten Kontur" oder eines Implantats, das zu hoch sitzt, obwohl es sich nicht bewegt hat.
- Die Brustwarze wandert tiefer, die Brust wirkt insgesamt weniger straff. Bei sehr großen Implantaten ist der Zug auf das geschwächte Gewebe stärker.
- Asymmetrien, die vorher kaum auffielen, können deutlicher werden, weil sich beide Seiten unterschiedlich verändern.
Hormontherapie und Brustimplantate
Eine Hormonersatztherapie (HRT) gegen Wechseljahresbeschwerden wirkt auch auf die Brust: Sie kann das Drüsengewebe erhalten, die Brust dichter und manchmal spannungsempfindlicher machen. Für Frauen mit Implantaten gibt es nach heutigem Kenntnisstand keinen Hinweis darauf, dass das Implantat selbst die Entscheidung für oder gegen eine HRT beeinflussen sollte, und keine Hinweise auf eine Wechselwirkung zwischen Hormonen und Silikon. Die Entscheidung folgt den allgemeinen Kriterien: Beschwerden, individuelles Risikoprofil, insbesondere Brustkrebsrisiko, und Dauer der Therapie. Sie gehört in das Gespräch mit der Gynäkologin. Was Sie erwähnen sollten, ist das Implantat, weil eine dichtere Brust unter HRT die Bildgebung beeinflussen kann.
Vorsorge in den Wechseljahren mit Implantat
Das Brustkrebsrisiko steigt mit dem Alter, und die Wechseljahre fallen in die Zeit, in der in Deutschland das Mammographie-Screening beginnt. Für Frauen mit Implantaten gelten dabei einige Besonderheiten:
- Die Mammographie ist möglich und sinnvoll, wird aber mit speziellen Einstellungen durchgeführt, bei denen das Implantat nach hinten verlagert wird. Wie das funktioniert, erklärt unser Beitrag zur Mammographie mit Brustimplantaten und der Eklund-Technik. Geben Sie das Implantat bei der Anmeldung an.
- Der Ultraschall ergänzt die Mammographie und beurteilt gleichzeitig das Implantat; Einzelheiten im Beitrag zum Ultraschall der Brust bei Implantaten.
- Die Selbstuntersuchung verändert sich, weil die Brust weicher wird und das Implantat deutlicher zu spüren ist. Neue Knoten müssen weiterhin abgeklärt werden, auch wenn sie zunächst wie eine Implantatfalte wirken. Eine Anleitung gibt der Beitrag die Brust mit Implantat selbst abtasten.
Unabhängig von der Krebsvorsorge gilt: Ein Implantat, das seit fünfzehn oder zwanzig Jahren im Körper ist, sollte auf seinen Zustand geprüft werden. Die Wahrscheinlichkeit eines Hüllendefekts steigt mit dem Alter des Implantats, und viele Frauen nehmen die Wechseljahre zum Anlass, den Zustand bildgebend klären zu lassen.
Gewicht, Sport und Haltung: die Begleitfaktoren
Die Wechseljahre bringen häufig eine Gewichtszunahme mit sich, oft mit einer Verlagerung des Fettgewebes zum Rumpf. Für die Brust mit Implantat hat das zwei gegenläufige Effekte: Mehr Fettgewebe in der Brust kann das Implantat wieder besser bedecken und Ränder kaschieren; mehr Gewicht insgesamt belastet aber das geschwächte Bindegewebe und beschleunigt das Absinken. Umgekehrt lässt eine deutliche Gewichtsabnahme in dieser Phase das Implantat oft besonders deutlich hervortreten, weil das Polster darüber verschwindet. Was das für die Planung bedeutet, beschreibt unser Beitrag zu Nachsorge und Heilung im Zusammenhang mit Gewichtsschwankungen.
Gezieltes Krafttraining für Rücken und Schultergürtel verbessert die Haltung und damit den Sitz der Brust am Brustkorb, ohne das Implantat zu beeinflussen. Ein gut sitzender, stützender BH ist in dieser Phase kein Zeichen von Eitelkeit, sondern entlastet das Gewebe und verzögert das Absinken messbar. Beides sind kleine Maßnahmen, aber sie sind die einzigen, die ohne Operation etwas an der Entwicklung ändern.
Wechsel, Straffung, Entfernung: die Optionen
Wenn die beschriebenen Veränderungen stören, gibt es mehrere Wege, die im Beratungsgespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Plastische Chirurgie abgewogen werden. Ein Implantatwechsel allein löst das Problem des abgesunkenen Gewebes meist nicht; oft wird er mit einer Straffung kombiniert, bei der die Hautüberschüsse entfernt und die Brustwarze neu positioniert werden. Manche Frauen entscheiden sich für ein kleineres Implantat, um das geschwächte Gewebe zu entlasten, andere für die Entfernung ohne Ersatz, gegebenenfalls mit einer Straffung oder einem Ausgleich durch Eigenfett. Welche Option passt, hängt vom Gewebe, von den Wünschen und vom Gesundheitszustand ab. Die Kategorie Implantat-Wechsel enthält Beiträge zu den einzelnen Wegen.
Was die Studienlage hergibt
Zur Frage, wie sich Brustimplantate speziell in und nach den Wechseljahren verhalten, gibt es wenig eigene Forschung. Die Erkenntnisse stammen überwiegend aus Langzeitbeobachtungen von Implantatträgerinnen, in denen das Alter der Patientin und das Alter des Implantats mit erfasst wurden, und aus dem allgemeinen Wissen über die Brust in der Menopause. Belegt ist, dass die Rate an Hüllendefekten mit dem Implantatalter steigt und dass ästhetische Veränderungen mit zunehmendem Lebensalter häufiger zu Folgeeingriffen führen. Keine belastbaren Daten gibt es zu der Frage, ob die Wechseljahre selbst, unabhängig vom Alter, die Kapselbildung oder das Implantat beeinflussen. Seien Sie skeptisch gegenüber Aussagen, die hier mehr Gewissheit behaupten.
Beratung über brustimplantate.org
Die Fachpraxen, die Sie über brustimplantate.org erreichen, beraten Frauen in dieser Lebensphase mit einer Untersuchung des Gewebes, einer bildgebenden Beurteilung des vorhandenen Implantats und einer offenen Abwägung zwischen Wechsel, Straffung und Entfernung, ohne Vorfestlegung auf ein neues Implantat. Weitere Beiträge zur langfristigen Nachsorge finden Sie in der Kategorie Nachsorge und Heilung. Für eine Einordnung Ihrer Situation und eine Vermittlung nehmen Sie Kontakt auf.